6G kann Menschen durch Wände erfassen: Was bedeutet das für den Datenschutz?

Der Mobilfunkstandard 6G soll nicht nur deutlich schnellere Datenübertragung ermöglichen. Mit der Technologie ISAC könnten Funknetze künftig auch als Sensoren eingesetzt werden. Dadurch lassen sich möglicherweise Menschen durch Wände erkennen und sogar Atmung und Herzschlag erfassen. Datenschützer warnen vor erheblichen Risiken für die Privatsphäre.

Die Entwicklung der nächsten Mobilfunkgeneration schreitet voran. Während bei 5G vor allem höhere Geschwindigkeiten und geringere Latenzzeiten im Mittelpunkt standen, soll 6G zusätzliche Funktionen übernehmen. Eine davon ist die sogenannte Integrated Sensing and Communication (ISAC).

Dabei werden Kommunikation und Umgebungserfassung miteinander kombiniert. Funkwellen könnten künftig nicht mehr nur Informationen übertragen, sondern gleichzeitig genutzt werden, um Bewegungen, Entfernungen und andere Eigenschaften der Umgebung zu erkennen.

6G als Radar: Menschen könnten durch Wände erkannt werden

Die technischen Möglichkeiten von ISAC gehen deutlich über eine herkömmliche Mobilfunkverbindung hinaus. Funkfähige Geräte wie Smartphones oder Mobilfunk-Basisstationen könnten Signale aussenden und deren Reflexionen auswerten.

Auf diese Weise lassen sich unter bestimmten Bedingungen Bewegungen von Menschen erkennen – möglicherweise auch hinter Wänden. Mithilfe entsprechender Algorithmen könnten aus den Signalen zudem feinste Bewegungsmuster abgeleitet werden.

Dazu gehören nach aktuellem Forschungsstand unter anderem Atmung und Herzschlag. Auch komplexere Bewegungen könnten analysiert werden.

Damit würde sich die Funktion eines Mobilfunknetzes grundlegend verändern: Es wäre nicht mehr ausschließlich Kommunikationsinfrastruktur, sondern könnte zugleich als großflächiges Sensorsystem dienen.

Maschinenlernen ermöglicht die Erkennung individueller Merkmale

Besonders relevant für den Datenschutz ist die Möglichkeit, die erfassten Signale mit Verfahren des maschinellen Lernens auszuwerten.

Wie Forschung und Wissen berichtet, hat die deutsche Datenschutzkonferenz am 17. Juni 2026 ein Positionspapier zur Bedeutung solcher Technologien beschlossen. Darin werden unter anderem Szenarien beschrieben, bei denen sich aus Funksignalen individuelle Eigenschaften ableiten lassen.

So könnte beispielsweise der Gang einer Person als charakteristisches Merkmal erkannt werden. Auch Gesten und bestimmte Gesichtsmerkmale könnten sich unter bestimmten Voraussetzungen aus den gewonnenen Daten ableiten lassen.

Damit stellt sich eine zentrale Frage: Wann handelt es sich noch um eine technische Messung – und wann werden daraus personenbezogene Daten?

Datenschutz: Einwilligung könnte kaum möglich sein

Für Datenschützer ist insbesondere die flächendeckende Erfassung problematisch. Anders als bei klassischen Sensoren müsste eine Person nicht unbedingt ein Gerät aktiv bedienen, damit sie von der Funksensorik erfasst werden kann.

Befindet sich ein Mensch im Erfassungsbereich entsprechender Funkanlagen, könnte die Technologie grundsätzlich auch Informationen über ihn liefern, ohne dass er ein eigenes Smartphone oder anderes funkfähiges Gerät verwendet.

Eine wirksame Einwilligung aller betroffenen Personen wäre in solchen Szenarien nur schwer umzusetzen. Genau deshalb wird die Frage nach technischen Schutzmechanismen und klaren Datenschutzregeln bereits während der Entwicklung des Standards diskutiert.

Forscher entwickeln Schutzmechanismen für 6G

Am Barkhausen-Institut in Dresden arbeiten Forscher an technischen Lösungen, die den Schutz der Privatsphäre verbessern sollen.

Eine Idee ist ein Schalter, mit dem sich die Sensorfunktion eines Geräts vollständig deaktivieren lässt. Die normale Kommunikation soll dabei weiterhin möglich bleiben. Nutzer könnten somit telefonieren oder Daten übertragen, ohne gleichzeitig die sensorischen Funktionen des Geräts zu verwenden.

Darüber hinaus wird an einer App gearbeitet, die anzeigen soll, ob aktuell eine Umgebungserfassung stattfindet. Nutzer könnten dadurch besser nachvollziehen, wann Funktechnik nicht nur zur Kommunikation, sondern auch zur Erfassung der Umgebung eingesetzt wird.

Schutz im eigenen Zuhause: Abschirmung von Räumen

Kann man 6G und Funkwellen zu Hause abschirmen? – Für Menschen, die ihre Privatsphäre und ihre Gesundheit in den eigenen vier Wänden zusätzlich schützen möchten, kommen auch Maßnahmen zur Abschirmung von Funkwellen infrage. Eine besonders weitgehende Abschirmung orientiert sich dabei am Prinzip des Faradayschen Käfigs.

Dafür müssen nicht nur einzelne Wandflächen berücksichtigt werden. Je nach gewünschtem Abschirmungsgrad können sämtliche Begrenzungsflächen eines Raumes – also Wände und Decke – in ein entsprechendes Abschirmkonzept einbezogen werden. In der Praxis kommen dafür unter anderem spezielle Abschirmmaterialien und Abschirmfarben zum Einsatz.

Eine gute Abschirmwirkung hängt von einigen Gegebenheiten ab. Entscheidend sind beispielsweise die verwendeten Materialien, die Beschaffenheit des Untergrunds, die Anzahl der aufgetragenen Schichten sowie mögliche Schwachstellen wie Fenster, Türen, Steckdosen oder andere Durchführungen.

Abschirmfarben als mögliche Lösung

Eine Möglichkeit zur flächigen Abschirmung sind spezielle Abschirmfarben, die mehrfach aufgetragen werden können. Solche speziellen Abschirmfarben geben je nach Frequenzbereich einen sehr hohe Dämpfungswert an.

Als Produkt für diesen Anwendungsbereich wird beispielsweise die T98 der Geovital-Akademie für Strahlenschutz angeboten. Hier kann durch einen vier- bis fünflagigen Auftrag – abhängig von der jeweiligen Wandoberfläche – eine Abschirmwirkung von 80 bis über 100 dB erreicht werden.

Eine solche Angabe beschreibt allerdings einen technischen Messwert unter bestimmten Bedingungen und sollte nicht automatisch mit einer vollständigen Abschirmung des gesamten Raumes gleichgesetzt werden. Für eine möglichst wirksame Abschirmung müssen insbesondere alle möglichen Ein- und Austrittswege für Funkwellen berücksichtigt werden.

Eine fachgerechte Planung und Messung kann daher sinnvoll sein, wenn ein Raum möglichst umfassend gegen hochfrequente Funkwellen abgeschirmt werden soll.

6G-Standardisierung könnte entscheidend sein

Die Entwicklung solcher Schutzmechanismen ist zeitkritisch. Die Forscher wollen ihre Konzepte in europäische Standardisierungsgremien einbringen. Im September 2026 ist ein Treffen internationaler Fachleute in Dresden geplant.

Der Grund für den Zeitdruck: Sobald technische Vorgaben für einen Mobilfunkstandard festgelegt sind, lassen sich grundlegende Änderungen später nur schwer durchsetzen.

Deutschland hat die Entwicklung von 6G bereits mit rund 700 Millionen Euro unterstützt. Der Start der nächsten Mobilfunkgeneration schreitet zügig voran.

6G zwischen technologischem Fortschritt und Privatsphäre

ISAC könnte zahlreiche neue Anwendungen ermöglichen – beispielsweise in der Industrie, im Verkehr, bei der Gebäudeüberwachung oder in anderen Bereichen, in denen Bewegungen und Entfernungen automatisch erfasst werden sollen.

Gleichzeitig eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten der Überwachung. Wenn Funknetze künftig Menschen erkennen und sogar kleinste Bewegungen analysieren können, wird der Schutz personenbezogener Daten zu einer zentralen Voraussetzung für die Akzeptanz von 6G.

Die Versicherungsbranche hat schon großes Interesse an solchen Daten signalisiert.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, was 6G technisch leisten kann. Entscheidend ist auch, welche Grenzen für die Erfassung und Auswertung solcher Daten gelten.

Was tun bei Funk und 6G?

Um eine passende Schutzstrategie zu entwickeln, ist eine Wohn- und Schlafplatzanalyse der beste Weg. Sie zeigt auf, was Sinn macht und wie am besten zu schirmen ist. Das spart Kosten und vor allem Zeit.

Für zu Hause:    Wohn- und Schlafplatzanalyse